Hausgeburt, 3. KInd

 

 

 

 

Gegen Ende der Schwangerschaft fühlte ich mich immer noch sehr fit. Doch zwischendurch plagte mich ein leichtes schlechtes Gewissen. War ich für die Geburt genug vorbereitet? Ich hatte weniger oft Entspannungsübungen gemacht als für die letzte Geburt und auch meinen Damm nicht wie vorgenommen „bearbeitet“. Der errechnete Termin kam und es regte sich (noch) nichts. Schon am Dienstag war meine 11 Jahre jüngere Schwester, meine geplante Wochenbetthilfe, eingetroffen und half seither fleissig im Haushalt mit. Am Mittwoch drauf kam meine Mutter, zweite Wochenbetthilfe, an und beide wollten/mussten am Montag drauf wieder heimfahren! Ich wünschte mir so sehr, dass mein Wunsch in Erfüllung gehen würde und sie bei der Geburt dabei sein konnten und vor allem hoffte ich auf ihre Unterstützung für die ersten Tage danach… Ich lernte, neu auf Gottes perfektes Timing zu vertrauen und gab ihm meine Wünsche und Vorstellungen ab. Er gab mir neues Vertrauen und die Gewissheit, dass er keine Fehler macht.

 

 

 

Eine Woche später dann kam meine Hebamme zur Schwangerschaftskontrolle. Ich erhielt einen Einlauf als wehenfördernde Massnahme. Kaum war die Hebamme weg, bemerkte ich eine regelmässige starke Erhärtung meines Bauches. Zuerst dachte ich aber nicht gross darüber nach. Ich konnte mir nicht vorstellen dass es wirklich losgehen sollte. Also gingen mein Mann und ich in die Langen Erlen spazieren. Dort beteten wir zusammen und legten nochmal ganz bewusst die Geburt in Gottes Hand. Immer wieder kamen kleine Wellen die es zu veratmen galt, ich war froh dass ich mich bei meinem Mann beim Laufen einhaken konnte. Zu Hause wollten wir schnell ins Bett um noch etwas schlafen zu können, ich sehnte mich nach einem warmen Bad und liess mir die Badewanne ein. Das tat gut! Es war 21:00. Nun wunderte ich mich, wie regelmässig das Ziehen im Unterleib schon war. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass maximal 5 Minuten dazwischen lagen… ich musste schon die Ballonatmung anwenden, um das Ziehen angenehm zu verarbeiten.

 

 

 

In einer Wellen-Pause wechselte ich ins Bett und beatmete ein paar weitere Wellen, wobei ich jetzt schon meinen Mann fragen musste, mir den Rücken dabei zu stützen. Jetzt war ich sicher, dass es nun doch losging und rief die Hebamme um 21:50 an. Ausserdem schrieb ich einer extra erstellten Gebetsgruppe, dass es „losging“. Dann wechselte ich zurück in die Badewanne. Ich hörte meine Entspannungs-Playlist (mehrheitlich biblische Texte musikalisch untermalt) und versuchte, so gut wie möglich zu entspannen und zum Baby zu gehen. Trotzdem brauchte ich nun immer jemanden an meiner Seite und teilte das den Anderen mit, so wechselten sich meine Mutter, meine Schwester und mein Mann ab. Die Wellen wurden stärker, alle 3-4 Minuten, aber mit etwas Händedruck im unteren Rücken konnte ich sie gut veratmen. Die Hebamme kam um 22:30, untersuchte mich und teilte mir freudig mit, dass wir das Baby diese Nacht wohl begrüssen werden würden. Nun realisierte ich erst, dass ich mich mitten im Geburtsprozess befand;-)

 

 

 

Um 23:20 wechselte ich in den Pool, das Wohnzimmer war in Lavendelduft gehüllt und Kerzen waren angezündet. Es war so schön meine Liebsten um mich zu haben, jeder übernahm eine Aufgabe: Mein Mann stützte mir den Rücken, meine Mutter hielt mit festem Griff meine Hände, meine Schwester reichte mir während der kurzen Wellen-Pausen zu trinken und die Hebamme kontrollierte die Herztöne vom Baby.

 

 

 

Die Wellen waren sehr intensiv und effizient wie ich fand, es fiel mir immer schwerer in den Pausen voll zu entspannen, weil sie so kurz waren! Nach Musik oder Entspannungs-Übungen hatte ich kein Bedürfnis, da ich mich so konzentrieren musste. Es brauchte eine doppelte Ladung Vertrauen und Mut, da ich lange Geburten gewohnt war und mir die Vorstellung, noch lange so weitermachen zu müssen, etwas Angst machte… Dann plötzlich um 23:50 hatte ich das Gefühl, schon das Köpfchen im Geburtsgang zu spüren! Konnte das sein? Ich sagte zu meiner Hebamme: „Es zieht so nach unten, ich möchte schon mitschieben! Ist denn das Köpfchen schon da?“ Dann tastete ich danach und - ich fühlte es tatsächlich! „Da ist es schon“, sagte ich mit einem Lächeln und Andrea fragte: „Hast du noch Muttermund gefühlt?“ „Keine Ahnung“, sagte ich - da hatte ich nun wirklich nicht drauf geachtet;-). Bei der nächsten Welle tastete sie mich ab und ich war tatsächlich komplett offen, sie gab mir das „Go“ zum mitschieben! Bei den nächsten drei Wellen atmete ich das Baby hinunter und spürte, wie effizient die Wellen waren. Ich tastete nochmal und - da war das Baby schon am „Ausgang“! Wahnsinn, ich konnte es fast nicht glauben.!

 

 

 

Dann überkam mich nochmal eine starke Welle gepaart mit einer Art Pressdrang. Alles spannte und es schmerzte. Ich wollte das Köpfchen rausschieben und gleichzeitig wollte ich nicht, dass etwas reisst und keinen Schmerz, ich war in einem Dilemma. Da hörte ich die beruhigende Stimme der Hebamme. Sie sagte, ich solle nochmal zurück in die Ruhe und dann nur hinaus atmen. Das machte ich, die nächste Welle liess sogar kurz auf sich warten und das Köpfchen rutschte nochmal etwas zurück. Ich genoss diese kurze Pause sehr. Ich konnte ganz loslassen und war bereit, während der nächsten Welle nur zum Kind zu atmen und dann geschah das Unglaubliche: das Köpfchen glitt praktisch schmerzfrei hinaus! Ich war überglücklich als ich es abtastete. Dann sagte ich meinem Mann er solle schnell unsere älteste Tochter holen, was er auch tat. Sie kamen pünktlich vor der Schluss-Welle wieder rein, sodass unsere Tochter sehen konnte, wie „das Baby rauskommt“ (das war zuvor ihr Wunsch gewesen).!

 

 

 

Um 00:07 flutschte der kleine Körper hinaus und ich wollte es zu mir nehmen, da rief die Hebamme „Warte, die Nabelschnur!“ Ich hielt es in die Luft und da fing das Baby natürlich an zu schreien. Die Hebamme musste es regelrecht aus der Nabelschnur auswickeln - 2x um den Hals, 1x um den Körper, nochmal um den Hals! Dann konnte ich es endlich zu mir nehmen und warme Tücher wurden auf uns gelegt. Es beruhigte sich schnell.! Dann wollten wir natürlich wissen, „was es ist“ und da ich mit unserer Tochter abgemacht hatte, dass sie es uns sagen darf, liess ich sie unter die Tücher schauen und da verkündete sie uns „ein Määdchen!“ wir mussten alle lachen und verkündeten den Namen unserer dritten Tochter.

 

 

 

 

 

Als ich mit der Hebamme die Geburt noch einmal Revue passieren liess, wurde uns bewusst, wie bewahrt unser Baby in Schwangerschaft und Geburt gewesen war! Wie es scheint, hatte sie sich schon in einem recht frühen Stadium mit der Nabelschnur umwickelt, das war rückblickend sicher auch ein Grund, warum ihre Bewegungen in der Schwangerschaft nur leicht zu spüren waren. Für mich ist es ein Wunder und Geschenk Gottes, dass ich sie kerngesund in den Armen halten darf, gerade weil ich weiss, wie viele im Gebet an uns gedacht haben.! Ich werde mein Leben lang mit grosser Dankbarkeit und Freude an diese wunderschöne Geburt zurückdenken. Danke ans Geburtshaus Basel für die liebevolle und professionelle Begleitung! Ich wünsche mir, dass noch viele Frauen und Männer den Luxus einer solchen „Privatgeburt“ erleben dürfen…