Spitalgeburt, 1. Kind

"Gestern noch im Büro, heute bereits im Gebärsaal"

Die Atmosphäre im Spital war ruhig. Die Einzige, die ab und zu vorbei kam, war die Hebamme. Meistens waren mein Mann und ich aber allein. Einmal kam kurz eine Krankenschwester vorbei, die mir einen venösen Zugang legen wollte. Sie war dann etwas verärgert, als wir sagten, das möchten wir nicht. Nach einem kurzen Gespräch mit der Hebamme wurde es dann aber akzeptiert. Die Hebamme fragte, wie es geht mit den Wehen – ich sagte: "Ich hab ja keine". Sie meinte: „Doch, doch, fassen Sie mal ihren Bauch an!“ Das tat ich und dann wusste ich, dass die Geburt jetzt losgeht.

 

Inzwischen spürte ich die Wehen immer stärker. Später als die Hebamme wieder vorbei kam, hatte sie den gelben Zettel dabei, wo man die Namen fürs Kind angeben muss. Weil mein Mann und ich uns bei den Namen nicht einig waren, brach eine Diskussion los. Wir wussten nicht einmal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Naja, aber irgendwann hatten wirs. Wir konnten den gelben Zettel verkritzelt und x-mal durchgestrichen abgeben…;)

 

Immer noch konnt ichs kaum fassen. Gestern sass ich noch im Büro und jetzt waren wir schon im Gebärsaal. Unterdessen war vielleicht etwa 10h abends. Ich ging im Zimmer auf und ab, war mich psychisch am Vorbereiten und entspannen. Während der ganzen Zeit konnten wir es kaum fassen, das wir schon im Spital sind und haben auch viel gelacht.

 

Später war dann Schichtwechsel bei den Hebammen und uns wurde eine Inderin vorgestellt. Insgeheim hatte ich mir gewünscht, sie als Hebamme zu haben, weil mir ihre ethnische Herkunft das Gefühl eines intuitiveren Zugangs zur Geburt gab, auch wenn das natürlich irrational ist.

 

Es wurde nach Mitternacht und mein Mann und ich wurden sehr müde. Er hat den ganzen Tag hart gearbeitet und ich war sowieso müde und erschöpft. Ich fragte die Hebamme, was sie denkt, wie lange es noch etwa dauert. Und sie meinte, das Baby komme heute Nacht. Mit schlafen war also nichts mehr, aber ich war trotzdem zu müde, um wach zu bleiben. Ich bin immer wieder eingenickt und jeweils vom Schmerz der Wehe erwacht – doch dann war es immer zu spät, um richtig zu atmen oder entspannt zu sein – so habe ich irgendwann nur noch geschrien.

 

Vor Schmerzen und von der Intensität des Moments habe ich alles rundum nur noch wie durch einen Filter und bruchstückhaft wahrgenommen. Die Wehen waren von einer Heftigkeit, die meinen ganzen Körper im Griff hatten. Sie drückten mein Becken nach vorne und machten meinen Rücken rund. Mein Körper machte das von selbst. Ich hätte nicht nicht pressen können. Dann wies die Hebamme mich in ruhigem Ton an: „Jetzt müssen Sie schieben.“ Mein Mann war da und beruhigte mich, redete mir gut zu, verlor nicht die Nerven, obwohl ich bei jeder Wehe schrie.

 

Irgendwann sagte mein Mann: „Mer gsehts Köpfli! Müsli, mer gseht voll s Köpfli.“ Ja und dann war sie bald draussen und kam zu mir. Es war 03.06 Uhr. Ein Mädchen!  Ich musste lachen, weil sie genau in den gleichen Frequenzen wimmerte wie ich (zwischen den Wehen) und kurz schrie in der gleichen Frequenz wie ich geschrien hatte. Es tat mir leid, dass sie das hören und übernehmen musste, andererseits empfand ich darin auch eine tiefe Verbindung, weil wir die Geburt gemeinsam erlebt hatten und in der gleichen Frequenz zum Ausdruck brachten ;)