Hausgeburt, 4. Kind

"Ermutigende Worte während der Geburt taten gut"

Von unseren früheren Kindern sind die beiden Ersten im Spital und das Dritte im Geburtshaus zur Welt gekommen. Diesmal konnten wir uns gut vorstellen, daheim zu gebären.

 

Gründe für eine Hausgeburt wurden für mich folgende: Bei Geburtsstart müssen wir das Haus nicht verlassen. Ich muss nicht mit Wehen ins Auto, muss nicht unter die Leute, kann mich ganz entspannen. Die Umgebung bleibt vertraut, die anwesenden Personen bleiben vertraut. Unsere Hebamme arbeitet professionell und wir können ihr jederzeit vertrauen. Würde die Geburt eine unerwartete Wende nehmen, könnte ich bereits im Krankenwagen z.B. für eine operative Entbindung vorbereitet werden.

 

Mein Mann empfand es so: Durch die gute Erfahrung im Geburtshaus war eine Hausgeburt für mich gut vorstellbar. Die Nähe zu meiner Frau unter der Geburt finde ich super, und v.a. dass ich ein Teil des Geschehens sein kann. Im Spital war ich eine Randfigur. Eine Hausgeburt ist ein schönes Eheprojekt.

 

Für 13.30h hatten wir nochmals mit der Hebamme abgemacht. Der Untersuch ergab, dass sich der Muttermund schon ein bisschen mehr geöffnet hatte. Sie riet uns, den ganzen Nachmittag zu schlafen und Kraft zu tanken, denn wer weiss… Als sie gegangen war, legten wir uns mit dieser Absicht  ins Bett. Mein Mann schlief ein, erholte sich nochmals gut, und bei mir setzten beim Hinlegen schlagartig die Wellen wieder ein, diesmal alle 3-max.5 Minuten. Entspannen und Atmen gingen gut, wenn auch die Luft für die Wellen schon etwas knapp wurde.

 

Mein Mann füllte den Pool und ich liess mich ins Wasser gleiten. Leise, vertraute Piano-Geburtsmusik berieselte uns. Ich sass auf den Knien im Wasser und liess die Arme über den Beckenrand hängen.  Mein Mann und meine Hebamme halfen mir, zwischen den Wellen rasch zu entspannen. Ich sog die Texte richtiggehend auf, die mein Mann mir vorlas. Ermutigende Worte taten so gut. Eine Geburt ist wirklich “labor“ (engl). Arbeit! Irgendwann kam ein Moment, wo ich am liebsten einfach ausgestiegen wäre. Raus aus dem Pool, aufs Bett liegen und ganz so tun, als wäre nichts Aussergewöhnliches. Aber ich wusste, dass ich den Prozess nicht stoppen konnte. So entschied ich mich fürs Weitermachen.

 

Durch die rasche Entspannung zwischen den Wellen, wie ich es im Kurs gelernt hatte, konnte ich wieder Kraft und Toleranz für die nächste schöpfen und so mit meiner offenen Haltung (gespreizte Hocke) und der Atmung mithelfen, das Baby nach unten und aussen gleiten zu lassen, anstatt mich durch Angst vor Schmerz zu verschliessen. Der nächste Untersuch ergab 8cm! Halleluja! Nun war das Ende für mich absehbar. Meine Hebamme massierte mir angenehm den Rücken, mein Mann war vor mir am Poolrand. Ich dürfe ruhig mitschieben, wenn ich das Bedürfnis hätte, sagte die Hebamme. Die Herztonmessungen, die sie unter Wasser vornahm, meldeten uns jedesmal, dass es unserem Baby bestens ging.

 

Der Druck wurde grösser und alles intensiver. Die Geburtsphase empfand ich als Erlösung und angenehmer als alles davor und könnte dazu sagen, dass ich sehr viel Druck, aber keinen Schmerz empfunden habe. Ich spürte viele Härchen, als das Köpfchen raus kam. Meine Hände waren dort und ich habe das Gefühl, dass ich die Rotation, die letzte Drehung des kleinen Körpers an den Schultern fühlte. Die nächste Welle kam und das kleine Wesen flutschte  ins Wasser. 19.39 Uhr. Die Grossmutter kam mit den Geschwistern ins Zimmer und das war ein ganz herzliches Willkomm für unsere kleine Tochter.